Nintendo Classic Mini veröffentlicht

Seit knapp zwei Wochen ist endlich das Nintendo Classic Mini zu haben. Okay, stimmt nicht ganz. Sagen wir besser: In stark begrenzter Stückzahl für Vorbesteller zu haben gewesen. Denn in den meisten Online-Shops ist die neue alte Konsole von Nintendo bereits vergriffen. Zu verlockend war wohl für viele das Angebot: Ein kleineres Nintendo NES mit 30 vorinstallierten Spielen und Controller für 70 Euro. Andere hingegen bleiben lieber dem originalen NES treu oder verweisen auf die Emulationsmöglichkeiten, die ein Raspberry Pi für kleines Geld bietet. Bereits bevor das Gerät überhaupt in den Handel kam war klar, dass das Gerät durch die vielen Vorbesteller am Erscheinungstag nur schwer zu haben sein wird. Auf Ebay erreichen die Preise für die Konsole bereits mehr als das doppelte wie der normale Verkaufspreis. Offiziell trägt die Konsole übrigens die Bezeichnung “Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System”. Uns gefällt NES mini oder mini NES aber irgendwie besser.

Doch hält die Konsole auch was sie verspricht? Neutral betrachtet wirkt die Konsole erst einmal winzig. Vor allem, wenn man die Abmessungen des inzwischen über 35 Jahre alten Originals kennt. Gerade einmal 13 x 10 x 4,3 cm das Nintendo Classic Mini und wiegt weniger als 180 Gramm. Das “normale” NES hingegen verfügt mit 25,5 x 8,5 x 20,3 cm über deutlich größere Abmessungen. Die Proportionen stimmen zwar mit denen des Originals überein,  in ihrem Inneren haben die beiden Konsolen allerdings nichts mehr gemein. Auch die Klappe zum Einlegen der Cartridges scheint noch vorhanden zu sein, entpuppt sich allerdings nur als eine Attrappe. Seine angestammte Funktion bietet hingegen der mechanische “Power”-Knopf an der Front der Konsole. Die Funktion des “Reset”-Knopfes wurde hingegen verändert. Drückt man den “Reset”-Knopf in einem Spiel gelangt man nun in ein Menü, welches das Speichern des Spielstandes ermöglicht.
Der gute alte Antennenanschluss des originalen NES hat bei der Neuauflage ausgedient. An den Fernseher angeschlossen wird das NES Mini über ein HDMI-Kabel. Um das Rohrenmonitor-Feeling des Originals aus den 80ern wiederherzustellen, gibt es die Möglichkeit optional Scanlines zu aktivieren. Bereits im Vorfeld wurde thematisiert, dass das NES Mini über ein USB-Kabel mit Strom versorgt wird und zwar das Kabel, allerdings kein passendes Netzteil zum Lieferumfang gehört. Nach kurzem nachdenken lässt sich aber auch dieses Problem ganz einfach lösen, indem man das USB-Kabel in einen der USB-Steckplätze am Fernseher einsteckt. Hat man keinen USB-Anschluss am Fernseher, will das NES Mini aber unbedingt ausprobieren, kann man auch einen Laptop daneben stellen und das Kabel dort einstecken. Ansonsten empfiehlt Nintendo ein USB-Netzteil mit 5 Volt und 1 Ampere (5 Watt). Wäre zwar schön gewesen, wenn ein passendes Netzteil beiliegen würde, ist aber auch kein Beinbruch, dass keines dabei ist.

Ein großes Manko hingegen ist die Länge des Controller-Kabels. Dieses ist extrem kurz ausgefallen. Ein klarer Rückschritt im Vergleich zum originalen NES. Hier war das Kabel noch etwa 2 Meter lang, während bei der Neuauflage der Spieler dank des ca. 75 cm langen Kabels deutlich näher an den Fernseher rücken muss. Zwar würde sich das theoretisch mit einem längeren HDMI-Kabel und USB-Power-Kabel kaschieren lassen, dann würde aber die Konsole irgendwo mitten im Raum stehen. Leider ein klarer Minuspunkt an dieser Stelle. Immerhin sind das mitgelieferte HDMI- als auch das USB-Kabel etwa 1,5m lang. Auch die Größe des Controllers stimmt mit dem originalen überein. Die originalen Controller lassen sich aber leider nicht an die Miniaturversion des NES anschließen.

Ein Blick ins Innere offenbart, dass im Nintendo Classic Mini nur eine Platine verbaut ist, auf der ein Vier-Kern-SoC auf ARM-Cortex-A7-Basis werkelt. Dazu kommen 256 MB Arbeitsspeicher. Eindeutig ein Zugewinn, verglichen mit den 2 KB des NES. Das von Nintendo verwendete Betriebssystem als auch die 30 inkludierten Spiele finden auf den eingebauten 512 MB Flashspeicher Platz.

Damit kommen wir langsam aber sicher zum Ende unserer Betrachtung der neuen Hardware. Eines vielleicht noch: Das NES Mini verfügt leider über keinerlei Schnittstellen, die es ermöglichen würden, das Gerät nachträglich noch zu erweitern. Schade, dass diese Möglichkeit vertan wurde.

An der Software des NES Mini hat sich, was das Betriebssystem angeht im Vergleich zum Original natürlich “ein bisschen was” getan.  Nintendo verwendet einen Emulator um die alten Titel abzuspielen. Dabei kommt allerdings nicht die von der Wii U Virtual Console bekannte Emulation zum Einsatz. Stattdessen wird eine Neuentwicklung verwendet die auf Linux basieren soll. Während die Emulation, was die Grafik anbelangt ziemlich gut ist und wenig Raum für Verbesserungen lässt -sogar das Flackern bei vielen Sprites auf dem Bildschirm wurde “übernommen”- sieht es beim Sound leider nicht ganz so rosig aus. So scheint es, dass der Sound bei manchen Spielen minimal verzögert wiedergegeben wird. Das ist nicht wirklich störend, wenn man genau darauf achtet, fällt es aber auf.

Ein neues Menü führt durch die Auswahl an Spielen und Einstellungen. Beim ersten Einschalten der Konsole lässt sich die Menüsprache festlegen. Das neue Hauptmenü verfügt über ein ganz hübsches 8-Bit Layout. Das Menü verwendet das 16:9 Format und eine Auflösung von 720p. Dabei wird ein Packshot des aktuell ausgewählten Spiels angezeigt. Zudem lässt sich über das Menü der gewünschte Darstellungsmodus auswählen. Hier stehen drei verschiedene Modi zur Auswahl. Die erste Option verwendet die ursprüngliche Auflösung der Spiele mit 256 x 240 Pixeln und verdreifacht diese auf 768 x 720 Pixel. Dabei kommt keine Interpolation zum Einsatz. Das Ergebnis ist ein scharfes Bild, an dem es nichts zu meckern gibt. Die zweite Option stellt das Bild ebenfalls etwa im 4:3 Format dar und wirkt wie das leicht gestreckte Bild eines alten Röhrenfernsehers. An der Bildschärfe gibt es aber auch in diesem Modus nichts zu bemängeln. Im dritten Modus, wird der Look des Bildes eines alten Röhrenfernsehers inklusive leicht verschwimmender Grafiken und flackernder Sprites nachgestellt. Leider kann man den Darstellungsmodus immer nur vom Hauptmenü aus umstellen. Das heißt man muss das Spiel dazu jedes Mal verlassen.

Ein weiteres neues Feature ist die Möglichkeit den aktuellen Spielstand zu speichern. Hier können pro Spiel bis zu vier verschiedene Spielstände gespeichert werden. Davon profitiert man natürlich insbesondere in den schwereren Spielen, die auf dem Nintendo Classic Mini installiert sind wie zum Beispiel Ghosts’n Goblins.

Das Spieleangebot welches enthalten ist, kann sich durchaus sehen lassen und enthält zahlreiche Spiele, die man einfach gespielt haben muss. Sicher sind die Spiele was die Optik und den Sound angeht betagt, dass heißt aber nicht, dass die Spiele nicht mehr unterhaltsam sind oder keinen Charme mehr versprühen. Ebenso wie schon damals als das NES noch im Laden zu haben war, spielt das Gameplay eine große Rolle. Leider fehlen die Anleitungen zu den enthaltenen Spielen. Hier wäre es schön gewesen, wenn diese zumindest in digitaler Form dabei gewesen wären. Nintendo hat die Anleitungen inzwischen in digitaler Form veröffentlicht und auf seiner Website zum Download bereitgestellt.

Abschließend lässt sich sagen, dass das “Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System” trotz dem leider zu kurz geratenem Controller-Kabel dennoch definitiv zu empfehlen ist. Bei den Spielen sind diverse Klassiker, welche in die “Must-have”-Kategorie fallen enthalten. Auch wenn das Gerät aktuell vergriffen ist, spricht nicht dagegen bei erneuter Verfügbarkeit zuzugreifen.

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